Welchen Einfluss Die Deutschen Auf Das Bierbrauen In Den USA Hatten

Veröffentlicht 2019-05-06
 
Glas Bier

Das Rezept für Bier ist eines der ältesten überhaupt und heute begeistern sich Experten wie Laien für das Brauwesen und natürlich für dessen Produkte. Was die Geschichte des Bieres in den USA betrifft, so lässt sich ein steter Wandel in der Bierpräferenz feststellen, der mit den jeweiligen Einwanderungswellen in Verbindung gebracht werden kann. Die Immigranten trugen eben auch ihre Braukenntnisse und Vorzüge im Gepäck. Das schließt das Lager mit ein, das seinen Siegeszug aus deutschen Lokalen heraus angetreten hat. Es gab einen wesentlichen Unterschied zwischen den deutschen Wirtshäusern und ihren irischen Pendants: In ersteren konnte die ganze Familie Spaß haben, in letzteren maßen sich die betrunkenen Gäste in Schlägereien. Dazu passt, dass das deutsche Lager ein leichteres Bier mit niedrigerem Alkoholgehalt ist als das englische Ale und ähnliche Sorten.

 

Was ist ein Lager?

Die Wege von Lager und Ale trennen sich früh im Brauprozess. Bei der Herstellung von Lager wird untergärige Hefe eingesetzt, die bei Temperaturen just über dem Gefrierpunkt fermentiert. Das Ergebnis ist ein milder, vollmundiger Geschmack – wenn denn alles klappt, denn dieses Bier zu brauen, ist eine Kunst, die ständige Aufmerksamkeit erfordert. Das fertige Bier hat einen Alkoholgehalt um die 3 % vol.

Es gibt helle, bernsteinfarben bis rote und dunkle Lagersorten, wobei sich die hellen Varianten in den USA besonderer Beliebtheit erfreuen. Der Ursprung des hellen Lagers, wie wir es heute kennen, lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, als in Brauereien wie dem Spaten-Brauhaus in München Methoden aus der Aleherstellung in den Brauprozess des Lagers einbezogen wurden.

 

Die Dominanz des Lagers über den US-amerikanischen Biermarkt

Die meisten Biere, die in die USA importiert werden, sind Lager. Der Konsument schätzt nicht nur ihren Geschmack, sondern auch ihren niedrigen Alkoholgehalt, während andere Biersorten ihm schnell zu Kopf steigen. Lager werden gern auf Familienfeiern oder schlicht beim gemeinsamen Abendessen getrunken, und eher weniger in den dunklen Ecken der Pubs. Sie sind auch eine elegante Lösung für öffentliche Veranstaltungen.

Die Wurzeln der Bierkultur der Vereinigten Staaten liegen in Großbritannien, was sich durch die Kolonialgeschichte erklären lässt. Und dort trank man Ale, weshalb das Lager gewissermaßen mit einiger Verzögerung antrat, um den Markt zu erobern. Wie ist es trotzdem so weit gekommen? Die deutschen Siedler, die vor allem im mittleren Westen ansässig wurden, brachten ihre Braukenntnisse mit sich, wollten auch in ihrer neuen Heimat nicht auf ihr Lieblingsgetränk verzichten. Und schließlich bestand die Möglichkeit der langfristigen Kühlung. Heute geht man davon aus, dass das Erstarken der Kühlindustrie dem Lager erst auf die Überholspur verholfen hat. Zuvor musste das Bier in kühlenden Höhlen gelagert werden. Ein Transport in die Küstenstaaten der USA war damit undenkbar.

Den Menschen scheint weiterhin der angenehm frische, nicht derbe Geschmack des Lagers zu gefallen. Zu dem finden sie leichter Zugang als zu den herben Geschmäckern von Ale und Stout. Man muss sich an den Geschmack von Lager nicht erst gewöhnen, man mag ihn vom ersten Schluck an.

So überrascht es nicht länger, dass das Lager heute eine tragende Säule der deutsch-amerikanischen Trinkkultur ist. Biergärten gibt es unzählige in den Vereinigten Staaten, und sie ziehen auch deutsche Besucher an, die sich nach ihrer Heimat sehnen. Verbote und Kriege haben zeitweilig dazu geführt, dass weniger Bier konsumiert wurde, konnten aber mit der jahrhundertealten Tradition nicht brechen, die wir bis heute fortführen. Wir wagen sogar einen Blick in die Zukunft und prophezeien, dass sich daran so bald auch nichts ändern wird. Von internationalen Importen über die großen Biermarken der USA bis hin zu jenem Bier, das im heimischen Keller in kleinsten Mengen hergestellt wird, hat die deutsche Braukunst einen deutlichen Einfluss auf den „American Way of Life“ ausgeübt.

 

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