Deutsches Erbe In Den USA - Einfluss Der Deutschen Kultur Auf Die Vereinigten Staaten

Veröffentlicht 2019-04-30
 
Gebäude im bayerischen Stil

Die USA sind immer schon ein Einwanderungsland gewesen. Im 19. Jahrhundert kamen besonders viele Migranten aus Deutschland und haben kulturelle Spuren im Land hinterlassen. Es stimmt, dass auch viele Iren und Chinesen die Küsten der Vereinigten Staaten erreichten, aber es waren die Deutschen, die den wesentlichen Anteil dieser Einwanderungswelle ausmachten.

Umgekehrt lässt sich sagen, dass die Mehrheit der deutschen Auswanderer zu jener Zeit auf den amerikanischen Kontinent übersetzten. Über mindestens ein Jahrzehnt, vielleicht sogar etwas länger, strömten also deutsche Einwanderer in die USA. Da verwundert es wenig, dass deren Weltverständnis und kulturelles Erbe die schon sprichwörtliche amerikanische Lebensart mitbestimmt hat.

Dieser Einfluss zeigt sich ganz offensichtlich in Details wie Sauerkrautgerichten auf der Speisekarte und deutscher Braukunst, die nicht nur in Bars, sondern auch auf diversen Oktoberfesten genossen wird. Andere deutsche Traditionen sind vielleicht weniger deutlich, aber durchaus fest in der US-amerikanischen Kultur verankert. Und vielleicht sind sie sogar wichtiger als Sauerkraut und Bier, das liegt im Auge des Betrachters. Schauen wir sie uns näher an.

 

Sportunterricht und Sporthallen

Vor der deutschen Einwanderung im 19. Jahrhundert fand an US-amerikanischen Schulen keinerlei Sportunterricht statt. Die zahlreichen Vorteile körperlicher Aktivität wurden nicht vermittelt. Es waren die Deutschen, die sich dafür einsetzten, dass der Sportunterricht als Pflichtfach in den Stundenplan aufgenommen wurde. Diese Einbeziehung der deutschen Immigranten in die Gestaltung der Bildung ebnete zudem den Weg für strukturelle Veränderungen in der Schullandschaft, denn nun sollten sämtliche Schulen über eine Sporthalle verfügen.

Die Schüler begannen, sich in den Sporthallen wohlzufühlen, und widmeten sich verstärkt dem Mannschaftssport, vor allem dem Basketball. Gespielt wurde schließlich nicht nur während des Sportunterrichts, sondern auch außerhalb des Stundenplans. Damit wurde das Fundament gelegt für die heutige Begeisterung der US-Amerikaner für Schulsport, die Organisation der sogenannten Pep Rally, dem Cheerleading als dynamischer Variante des Tanzes – all das ist kaum noch wegzudenken aus dem Schulalltag der Vereinigten Staaten und wurde von den deutschen Einwanderern vorbereitet.

 

Wochenende und Freizeitgestaltung

Vor der Ankunft der deutschen Einwanderer konnte die Bevölkerung der Vereinigten Staaten nur als äußert konservativ und religiös beschrieben werden. Die Wochenenden wurden daher an Gottesdiensten und Messen ausgerichtet; man suchte eher Ruhe als aktive Freizeitgestaltung, Kultur und frische Luft.

Im Gegensatz zu ihren neuen Nachbarn fühlten sich die deutschen Immigranten der Kirche weniger stark verpflichtet. Sie sahen im Wochenende durchaus eine Chance, aktiv zu werden und Spaß zu haben. Und sie kümmerten sich darum, die entsprechenden Gelegenheiten zu schaffen. So entstanden im Laufe der Zeit Vereine, Theater, öffentliche Schwimmbäder und ähnliche Einrichtungen.

Heute finden sich in den allermeisten Städten der USA Parks mit Picknickplätzen und weiteren Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Tatsächlich werden diese nun als amerikanische Tradition verteidigt, ohne dabei zu berücksichtigen, dass sie einst von den Deutschen angestoßen wurde.

 

Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann

In den allermeisten Familien, die in den USA leben, wird Weihnachten gefeiert. So mancher US-Bürger nimmt sich jede Menge Zeit, um Geschenke für seine Liebsten zu besorgen, sein Heim mit Lichtern zu dekorieren und zu backen, worauf sich der Gaumen schon seit Monaten freut. Auch Weihnachtsparaden werden gern besucht. Was die Weihnachtstraditionen in den USA betrifft, so lassen sich Anfang und Ende der Feierlichkeiten kaum festlegen.

Aber nur wenige wissen, dass viele dieser Bräuche von der deutschen Kultur inspiriert wurden. So haben die deutschen Einwanderer unter anderem die Rezepte für Lebkuchen, Pfefferkuchen und Marzipan mitgebracht und geteilt. Auch die Tradition, einen Tannenbaum mit Girlanden und Lichtern zu schmücken, hat ihren Ursprung in Deutschland und kann hierzulande bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Damals war es Aufgabe der Bäcker, im Stadtzentrum einen Baum aufzustellen und mit Nüssen und Früchten zu behängen. Und ja, selbst das symbolträchtige Bild von Santa Claus als fröhlichem Mann, der Geschenke verteilt, geht zumindest teilweise auf deutsche Einflüsse zurück. Wer sich ein wenig mit der Geschichte des Landes beschäftigt, findet darüber hinaus sicher viele weitere Details, die deutsches Erbe sind und zeigen, wie verschiedene Kulturen einander bereichern können.

 

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